Nicht alle Tassen im Schrank
Pias Potpourri vom September 2026

Wer diesen September überstanden hat, möchte vielleicht rufen: „Hoch die Tassen!“ Doch er sollte innehalten. Denn Tassen sind inzwischen von großer Bedeutung.
So ist die bundesdeutsche Öffentlichkeit noch uneins darüber, wer in der Politik nicht alle Tassen im Schrank hat. Sicherlich, die Dunkelziffer könnte groß sein, da selbst der Hackerangriff auf Berlin noch keine Schrank-Inhalte offenlegte. Doch laut Bundestassenschutz ist sicher, dass die AfD dazugehört. So zeigte AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider eine Tasse mit einem Logo der russischen Armee. Das sorgte für Kritik, half aber später dabei, sie als „gefährlichste Tasse der Welt“ bei Ebay einzustellen.
Natürlich muss diese Bezeichnung kritisch hinterfragt werden. So könnte Donald Trump, wenn er sich nicht mit Kriegen gegen Länder und Pressefreiheit verzetteln würde, mit mindestens ebenso eindrucksvollen Tassen aufwarten. Schließlich wäre es gelungenes Merchandising, die Umbenennung von „New Mexiko“ in „New America“ und des „Lake Ontario“ in „Lake America“ mit eigenen Souvenir-Tassen zu begleiten. Und sogar der Mond gehört laut Trump zu Amerika – vielleicht also schon mal Tassen drucken mit „Trump Trabant“ oder „Moon Riveria“. Auf jeden Fall tut der Mond gut daran, dabei mitzumachen. Sonst werden jeden Abend Zölle erhoben, wenn er über den USA aufgeht.
In Deutschland dagegen hat Bundeskanzler Friedrich Merz den Beschäftigten im Gesundheitssystem zwar noch keine „Nutznießer“-Tassen überreicht, aber diese schenkten ihm trotzdem ein – ebenso wie viele Wähler und Parteifreunde. Und ob die Kanzler-Tasse langfristig spülmaschinenfest und der Riss noch zu kitten ist, wird sich zeigen. In Mecklenburg-Vorpommern jedenfalls liegt das Fassungsvermögen der von ihm maßgeblich mitgetöpferten CDU-Tasse nur noch bei unter 5 Prozent.
Aber trübe Tassen könnten im Trend liegen. Laut Pisa-Studie fällt Schülern Rechnen und Lesen schwer – dann machen sie sich wenigstens keine Sorgen um ihre Alterssicherung. Vielleicht heißt das künftig nicht mehr "Verdummung", sondern gemäß dem Sprachduktus der siegreichen Berliner Linken "Bildungsenteignung". Und kleine Lernschwächen ließen sich lustig aufgreifen, wenn etwa auf einer Schul-Tasse stünde „Piesa-Schokk – 120prozentig doof“. Oder das ABC oder die Zahlen von 1 bis 10 aufdrucken, quasi als Spick-Tasse.
Statt Bekennerbriefen wie vom Stromanlagen-Saboteur Daniel V. könnten an Tatorten Bekenner-Tassen hinterlegt werden mit der Aufschrift „Ich war’s“. Dann weiß die Polizei noch nicht, wer es ist. Hat aber ein Gefäß fürs Abwarten und Teetrinken.
Weil für all dies natürlich viele Tassen benötigt werden, müsste ein Tassenrabatt folgen - der wäre mindestens so sinnvoll wie der gerade mal wieder beschlossene Tankrabatt. Schließlich wird bei allen Debatten bisweilen viel Porzellan zerschlagen.
Aufpassen müssen jedoch die Bürger. Denn mancher denkt vielleicht, weil in seinem Bundesland nicht gewählt wurde: „Der Kelch ist an mir vorübergegangen.“ Dabei war es nur eine Tasse.




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