Manche mögen's Juni
Pias Potpourri vom Juni 2026

Von wegen Verzögerungen! Ein radikaler Umbau geht in diesem Jahr rasend schnell voran: der vom Frühsommer zum Hitzechaos. Mit Rekordtemperaturen stellte der Juni sogar frühere Augustmonate in den spärlichen Schatten. Und manche Bürger konnten damit schon vor der Verabschiedung der Gesundheitsreform kollabieren. Ganz unbürokratisch! Gerüchteweise gibt es erste Bestrebungen für hiesige Sommerkinos, den Filmklassiker „Manche mögen’s heiß“ umzubenennen in „Manche mögen’s Juni“. Doch trotz aller Hitze war es ein Monat der Bauprojekte.
So wurde Stuttgart 21 erneut verschoben – und wird das 21. Jahrhundert vielleicht mehr gar nicht mehr touchieren. Dabei gäbe es eine Möglichkeit, das Bahnhofsprojekt deutlich zu beschleunigen: US-Präsident Donald Trump müsste nur schmackhaft gemacht werden, dass er in Stuttgart einen neuen Ballsaal errichten kann. Denn sein Projekt neben dem Weißen Haus wird ebenfalls deutlich teurer als geplant – inzwischen umgerechnet 517 Millionen Euro. Aber dafür gibt es dann immerhin Gold, Marmor, Stuck, üppige Lüster und Platz für 1000 Gäste. Warum also nicht ein Ableger davon in Schwaben?
Das wäre mal etwas anderes, als vom Schwiegersohn Jared Kushner Inseln in Albanien zubauen zu lassen. Und Stuttgart ist von Trump aus gesehen schon auf halbem Weg zur Straße von Hormus, wo dank seiner großartigen Intervention Frieden herrscht. Zumindest in der Zeit zwischen Angriffen und der Drohung mit endgültiger Vernichtung.
Und in Bahnhöfen noch Platz für Gleise und Züge einzuplanen, ist möglicherweise ohnehin überflüssig. Könnte sich doch der Bahnverkehr bis zur Fertigstellung von Stuttgart 21 ohnehin erübrigt haben, wenn noch einige Software-Updates beim Bahnfunk erfolgen. Eine solche Aktualisierung legte in diesem Monat kurzfristig alle Züge lahm. Und nur eingefleischlose Verschwörungstheoretiker erkennen: Die Bahn wollte auf diese Weise geschickt davon ablenken, dass sie in ihren Bistros keine Pommes frites mehr serviert.
Umstritten ist unter Experten allerdings noch, ob das Ausharren in liegengebliebenen Zügen auf die Rente angerechnet wird. Eigentlich führt wegen der gesundheitlichen und psychischen Fahrgast-Belastungen daran kein Weg vorbei. Ein Vorschlag wäre: Zwölf Stunden Zugverspätung – ein Monat früher in Rente und dafür ein Malus-Heftchen einführen (auf Papier natürlich, nicht digital, und mit Stempeln). Das fehlt noch dringend im Rentenumbau.
Manchmal hilft es aber, beim Bauen von anderen Europäern zu lernen. So hat Downing Street Nr. 10 in London genügend Platz für ein imposantes Haustier. Kater Larry hat dort schon sechs Ministerpräsidenten gehen sehen, nun auch Keir Starmer – und ist damit eine Säule der Kontinuität. Vielleicht könnte also eine Hundehütte (Gebäudetyp E, nicht unterkellert!) oder ein Katzenkörbchen neben dem Kanzleramt signalisieren: Hier lebt auch ein Sympathieträger. Denn bislang setzt die Koalition mit ihren Vorschlägen leider nur auf den Haustiertyp E, der die Herzen eher selten gewinnt: die Eintagsfliege.




Kommentare