Komm unter meinen Deckel

Potpourri September 2022



Dieser September war der Monat der Deckel. Als Stimmungsdeckel allererster Güte bremste der Tod der Queen die Spätsommerlaune. Und manche fragen sich: Darf es im Monat, in dem Elizabeth II. starb, überhaupt Scherze geben? Es muss sogar! Die humorvolle Königin hätte es so gewollt, ist doch jedes Fettnäpfchen im Grunde eine Hommage an ihren seligen Gemahl Prinz Philip.

Ihr prunkvolles Begräbnis samt Sargdeckel, der die Krone trug, lockte Millionen Menschen nach London – eine Art „Sozialtourismus“, wie CDU-Chef Friedrich Merz sagen würde. Denn dass gemeinsame Trauer eine soziale Komponente hat, mag wohl niemand bestreiten. Und viele, die der Queen die letzte Ehre erwiesen, fuhren danach wieder zurück zu ihren Familien.

Ob der neue König Charles allerdings humoristisch in die Fußstapfen seiner Eltern tritt, bleibt abzuwarten. Regte er sich doch völlig scherzfrei über einen kaputten Stift auf. Dabei sind kaputte Stifte der Kitt jeder Bürokratie. Wer weiß, was in deutschen Amtsstuben los wäre, wenn jeder Kugelschreiber seinen Dienst täte – auf die Digitalisierung mag man da nach wenigen Jahrzehnten oft noch nicht vertrauen. So aber wird Beschlossenes bei der Umsetzung gern in die Unendlichkeit entschleunigt. Und damit bleibt die Bürokratie die wahre Regierungsform Deutschlands, auf unsere Fahne gehört ein Aktendeckel.

Manchmal aber sind die Heißsporne von der Ampelkoalition ungeduldig und wollen nicht warten, bis sich alles von selbst erledigt. Deswegen machen sie ihre eigenen Konzepte schnell wieder zunichte und geben sich gegenseitig einen auf den Deckel. Neun-Euro-Ticket-Nachfolge? Ja – nein- wer bezahlt’s – erst mal nicht. Gasumlage? Gute Idee – ach nee, mal nachdenken, war doch blöd. Stattdessen kommt jetzt vielleicht der Energiepreisdeckel. Wie hätte der selige Gunter Gabriel gesungen: „Komm unter meinen Deckel“.

Aber damit nicht genug, startete in München in diesem Monat das ultimative Event für Bier- und Toilettendeckel. Ganz ohne Mobilmachung fanden sich Kampftrinker aus allen Teilen Deutschlands dort ein und solidarisierten sich mit den aktuellen Viren BA5 und BIA-her. Auch fragwürdige Formen von kultureller Aneignung - Norddeutsche im Dirndl! - wurden beobachtet. Im Trend des Monats würde jetzt liegen, wenn Bayern mit vorgehaltener Weißwurst auch noch Scheinreferenden mit anschließender Annexion von Restdeutschland plant. Aber bislang gilt das Verhalten dort nur als Oktoberfest.

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