Intern ist das neue Offen

Potpourri Oktober 2021


Im Oktober entblößen sich die Bäume – aber das reicht nicht mehr. In diesem Monat wurden auch viele Geheimnisse enthüllt, zum beliebigen Ausplaudern gekennzeichnet durch das Wort „intern“. Denn „intern“ ist das neue „offen“.

So sickerte einiges aus den Verhandlungen von Union und Grünen durch - und verdarb damit die Lust auf Jamaika. Sondieren macht schließlich keinen Spaß, wenn man nicht mal in Ruhe lästern und postenschachern kann. Denn dann bleibt immer das ungute Gefühl: Der Feind hört mit. Oder wie Politkenner präzisieren: der Parteifreund.

Private Mails und Chats brachten die Führungsriege der „Bild“-Zeitung in die Bredouille – weil sie eben privat waren. Wären sie mit dem Vermerk „unbedingt veröffentlichen“ versehen worden, hieße es vermutlich nur: Ach, der schon wieder.

Und Österreich erkannte nach Veröffentlichung einiger Interna: „Der Wahn ist Kurz, die Reu‘ ist lang“. Denn Kanzler Sebastian Kurz musste zurücktreten, weil er positive Medienberichte und Umfragen mit Steuergeld erkauft haben soll. Wie unfair. Schließlich nörgeln doch so viele Menschen: Wo bleibt das Positive? Da kann man auf die schnöde Realität nicht immer warten.

Uneingeschränkt positiv ist das Leben nämlich nur in Russland (interne Anmerkung an den dortigen Geheimdienst: Kontonummer folgt). Wurden doch in Moskau jetzt erstmals viele Restaurants mit Michelin-Sternen ausgezeichnet. Belastbaren Gerüchten zufolge ging es allerdings nicht um Preise für die Gerichte „Krim-Kaviar auf Pirogge Putin“ und „Boeuf Nowitschok“.

Wir in Deutschland stehen da kulinarisch zurück, haben aber dafür die Waffe, für die es keinen Waffenschein gibt: Christian Lindner. Mit seiner erotischen Ausstrahlung hat er bei den Ampel-Verhandlungen nicht nur Annalena Baerbock und Robert Habeck das Tempolimit vergessen lassen. Er gab auch noch seine Verlobung bekannt. Doch noch kein Whistleblower verriet bislang: Wie genau lief das ab?

Bei seiner ersten Frau hatte der FDP-Politiker den Heiratsantrag auf eine Serviette geschrieben – diese Ehe scheiterte. Vielleicht hat Lindner daraus gelernt und diesmal etwas anders benutzt: historisch wertvolles Toilettenpapier aus dem Pandemiemärz 2020, den alten Steuerbierdeckel von Friedrich Merz oder einen vergessenen Berliner Wahlzettel. All das kann noch wichtig werden, also her mit den internen Mails! Denn selbst wer das gar nicht wissen will, sollte sich an die wichtige Maßnahme halten, die nach Aufhebung der CDU-Notlage von nationaler Tragweite auch in diesem Herbst bleibt: Lüften, lüften, lüften!

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