Warn-Apps und Wortwahn




Was waren das noch für friedliche Zeiten, als nur entlaufene Tiere durch das Sommerloch hüpften. In diesem Juli hüpften dagegen Kanzlerkandidaten durch Katastrophengebiete – und waren durch ihre Partei oft schwer wieder einzufangen.

So wurde etwa Armin Laschet von der CDU nur ganz kurz unbeaufsichtigt gelassen – und schon entgleiste ihm im Hochwassergebiet der betroffene Gesichtsausdruck zu einem Lachen. Ein schlimmes Versagen der Schutzmaßnahmen! Denn es gibt zwar die Katastrophen-App Katwarn. Aber analog dazu nicht die App Kam-Warn, die Politikern signalisiert: „Du wirst bei Deiner Dummheit gerade fotografiert“. Und auch akustisch muss sich künftig etwas ändern. Sirenensignale (Weglaufen!) müssen klar getrennt werden vom Karnevals-Tusch (Witz!)

Annalena Baerbock hüpft unterdessen von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen (empfohlene App: Fett-warn). Denn jetzt wollte sie mal korrekt zitieren, was man nie sagen soll – und schon schlagen die Wellen der Empörung wieder hoch. Wobei dieses schlimme W-Wort in Zeiten von Corona und Hochwasser natürlich tabu sein müsste.

Sollte am Ende also Olaf Scholz im Dauerwolkengebiet SPD schlumpfig grinsend triumphieren? „Die Stimmungslage bewegt sich in Richtung SPD“, meint er schon festzustellen. Das klänge wie ein Erdrutsch-Sieg von zehn Prozent, wenn das E-Wort nicht so taktlos wäre. Aber noch ist nicht aller Schwafler Abend.

Schließlich könnten Hacker in letzter Minute in den Wahlkampf eingreifen. In diesem Monat waren sie ja bereits vielerorts aktiv, zudem wurden Journalisten-Handys ausgespäht. Aber ein guter Politiker kann auch solche Pannen positiv wenden: Wo gehackt wird, gibt es wenigstens eine gute Internetverbindung.

Und vielleicht schaffen es die Kanzlerkandidaten ja sogar, gelegentlich mal den Mund zu halten – oder ihn so sinnvoll zu füllen wie Joey Chestnut. Der Weltmeister beim Hotdog-Wettessen hat 76 Würstchen in zehn Minuten geschafft und damit seinen eigenen Rekord um ein Würstchen verbessert! Hier dagegen, so behaupten Kritiker, hat sich manche Partei nach Aufstellung der Kanzlerkandidaten um ein Würstchen verschlechtert.

Welche Partei das genau ist, darf natürlich nicht gesagt werden, meint die App Wort Warn – (gesprochen „Wortwahn“). Die wurde in den geheimen Sprachlaboren entwickelt, aus denen die Gendersprache entwichen ist. Aber so viel sei verraten: Es gibt da ein G-Wort, ein C-Wort und ein S-Wort. Aber keinesfalls ein N-Wort! Denn das könnte etwas andeuten, das in der modernen Gesellschaft nichts mehr zu suchen hat: Nachdenken.

22 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen