Her mit der lyrischen Taskforce

Potpourri Januar 2021


Nichts ist mehr so, wie es mal war, denn fertig ist der Januar. Eine banales Reimchen? Nein, ein mentales Aufwärmen. Denn endlich hat die Bundesregierung erkannt, was das Land braucht: einen Parlamentspoeten.

Schließlich hat man im Land der Dichter und Denker lange genug auf die Denker gesetzt, die dann viel leiser blieben als die Querdenker. Deswegen sind nun die Dichter dran.

Mit Hilfe dieser lyrischen Task-Force lässt sich dann die Impfpflicht problemlos umsetzen: „Verweigerst Du uns Deinen Arm, musst Du Dich anziehen warm!“ Das klingt holprig, ist aber das poetische Stilmittel der Inversion, also eine bewusste Umstellung des Satzbaus. Für Weltbürger, die Argumenten noch zugänglich sind, gibt es einen Limerick: „Es war mal in Deutschland ein Schuster, der dachte, er braucht keinen Booster. Er hatte Kontakt, seine Nase war nackt. Und dann wurd’ es bald für ihn duster.“

Auch der Konflikt mit Russland könnte entschärft werden, wenn Außenministerin Annalena Baerbock den Präsidenten Wladimir Putin mit einem Kinderreim ermahnt: „Finger weg von der Ukraine! Du denkst zwar noch, sie sei die Deine. Aber damit stehst Du alleine.“ Solche Verse eignen sich auch als unbedenklicher Rüstungsexport nach Kiew.

Aber der Westen hat noch einen weiteren Sanktionspfeil im Köcher. Der britische Premier Boris Johnson, der Moskau „nie dagewesene Maßnahmen androhte“, könnte Russen von seinen legendären Partys ausladen. Für diese viel kritisierten Lockdown-Gelage hat der Parlamentsdichter als Schöngeist natürlich Verständnis: „Wenn andere zu Hause bleiben, kann’s der Premier viel wilder treiben. Schon sechs Mal wurde Johnson Vati – wie soll das klappen ohne Party?“

Etwas heikler wird es bei der katholischen Kirche. Denn da geht es wirklich schlimm zu: Eine Büromitarbeiterin im Erzbistum Köln hatte einen Bürostuhl mit ins Homeoffice genommen! Dafür sollte sie entlassen werden. Verständlich! Denn nach den Enthüllungen über den emeritierten Papst Benedikt muss das Motto der katholischen Mitarbeiterführung so umrissen werden: „Wir halten über dich die Hand, machst du mal was mit Kindern. Doch wir sind gar nicht tolerant bei Stühlen unterm Hintern.“

Das ist eines Bundespoeten nicht würdig? Falsch gedacht. Gerade schlechte Gedichte wirken wie eine lyrische Pistole, die jeden zum Einlenken zwingt – weil er will, dass das Reimen aufhört. Oder sie lenken (,perfide Regierungsstrategie!) einfach ab. Nach dem Motto: „Jedes Problem wird obsolet, kommt erst der Parlamentspoet. Denn liegt die Welt auch voller Trümmer – sei sicher: Sein Gedicht ist schlimmer.“

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