Abwahl ist der neue Ansporn

Potpourri Januar 2021


Sie möchten ganz groß rauskommen, aber alle Posten sind besetzt, und keiner will Sie? Das wäre früher ein kleines Karriereproblem gewesen. Doch heute lässt sich im Duktus des Januars 2021 nur fragen: Na und? Denn positiv formuliert lässt sich als Trend aus diesem Monat herauslesen: Abwahl ist der neue Ansporn. So leitete Friedrich Merz aus seiner Niederlage gegen Armin Laschet ab, dass er als Wirtschaftsminister geeignet wäre. Dabei war dieses Amt als Entsorgungspöstchen bislang gar nicht bekannt. Zwar hieß es stets: „Hast Du einen Opa, schick ihn nach Europa.“ Aber nicht: „Wirst Du CDU-Chef nie, bleibt Dir die Ökonomie.“

Donald Trump nahm seine Wahlniederlage sogar als Ansporn, die Demokratie noch entschlossener zu bekämpfen. Das war nicht einfach, aber der Sturm aufs Kapitol ein tapferer Versuch. Allerdings spielten ihm Zufälle in die Hände. So wurde einer seiner Anhänger, der sich auf Nancy Pelosis Schreibtischstuhl fläzte, angeblich ins Kapitol „hineingeschubst“ - ähnlich ging es einst „Costa Concordia“-Kapitän Francesco Schettino, als er unverschuldet ins Rettungsboot fiel. Danach suchte der Trump-Fan das stille Örtchen, landete jedoch in Pelosis Büro. Um die Demokratie zu retten, braucht es also mehr Toiletten – vielleicht ein Slogan für die nächste Wahl.

Und das Kapitol ist ja tatsächlich nur ein WC-Häuschen im Vergleich zu Wladimir Putins Geheimpalast. Dieser ist laut Kremlkritiker Alexej Nawalny etwa 39 Mal so groß wie Monaco, doch in den Zwergstaat passt ja auch wenig rein. Und ein Eishockey-Stadion, ein Weinberg, eine Poledance-Stange, ein Wellness-Bereich neben der Kalaschnikow-Kammer sind für einen russischen Präsidenten wirklich Mindestausstattung. Gleichzeitig ist Putin, der den Besitz natürlich bestreitet, aber so bescheiden! Er nimmt für Giftanschläge bereits benutzte Second-Hand-Killer und badet halbnackt im Eiswasser, vermutlich weil er sein letztes Hemd für das Volk gegeben hat.

Auch das Coronavirus lässt sich nicht vorschnell entmutigen. Es nahm seine weltweite Unbeliebtheit als Ansporn, sich als Variante neu zu erfinden. Und dass wir keine Mutationen aus Großbritannien nehmen, war im Post-Brexit-Handelspakt leider nicht festgeschrieben.

Doch glücklicherweise gehen die meisten Bundesbürger ja derzeit nicht raus - weil sie drinnen in der Warteschleife hängen, um einen Impftermin für Eltern oder Großeltern zu ergattern. Vergeblich natürlich. Denn Deutschland will endlich mal das böse Klischee entkräften, es könne gut organisieren. Aber wie würde Warteschleifen-Profi Friedrich Merz wohl raten: Beim Wählen nicht durchkommen ist ein Ansporn zum Weitermachen.


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