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Ein Wumms kommt selten allein




Potpourri Oktober 2022




Im Herbst ist nur das leise Rascheln der Blätter zu hören? Oder ein Laubsauger, der unverständlicherweise nicht als schwere Waffe in die Ukraine geliefert wurde? Nein, in diesem Oktober wurde es noch lauter. Um im Trend der Retro-Shows zu sprechen: Wumms, die Wette gilt.

Schließlich hat Bundeskanzler Olaf Scholz mit seinem Doppelwumms akustische und sprachliche Maßstäbe gesetzt. Denn das klingt besser als „200-Milliarden-Abwehrschirm zur Dämpfung der Energiepreise“. So viel Nullen kann sich in einem Land, wo die Grundschüler nicht rechnen können und die Politiker mit nichts rechnen, ohnehin niemand vorstellen. Doppelwumms dagegen ist knackig für Hinz und Doppel-Kunz. Und es kann das Geräusch beschreiben, wenn der Bürger beim Öffnen der Gasrechnung sich erst an die Stirn schlägt und dann vor Schreck vom Stuhl fällt.

Weil aber ein Wumms selten allein kommt, hat sich Scholz schon zum Dreifach-Wumms hochgearbeitet: Mit einem Machtwort beendete er den quengeligen Atomstreit zwischen Grünen und FDP im Ampel-Kindergarten und verlängerte die Laufzeit der wartungsbedürftigen Koalition bis mindestens April 2023 – sofern kein Störfall eintritt.

Vielleicht sollte auch bei der Deutschen Post mal jemand auf den Tisch hauen, damit Briefe und Postkarten wieder im Briefkasten landen - der so genannte Doppel-Plumps. Denn längst nicht mehr alles kommt an. Aus Protest dagegen haben sich manche Briefmarken mit der Intelligenz eines Aktivisten bereits an Umschlägen festgeklebt.

Da kann der in Leipzig forschende Schwede Svante Pääbo froh sein, dass das Nobelpreis-Komitee immer anruft und keine Briefe schickt. Er wurde ausgezeichnet für die Erkenntnis, dass Homo sapiens und Neandertaler mehr Techtelmechtel miteinander hatten als angenommen. Hätte er Scholz in seinem Team gehabt, hieße das vielleicht unfein Doppelbumms und hätte einen Doppelrumms an Empörung ausgelöst - aber so blieb alles ehrwürdig.

Längst nicht so gut hat es da Großbritannien. Dort war die Regierungszeit von Premier Liz Truss sogar kürzer als die Kanzlerkandidatur von Armin Laschet. Dabei hatte Liz Truss immerhin einen großen Vorzug: Ihr Name passte in jede Schlagzeile. Ob die Tories jetzt mit ihr und ihrem Nachfolger Rishi Sunak in kurzer Zeit einen Doppel-Dumms hinlegen, wird sich zeigen. Auf jeden Fall scheint festzustellen: Wenn heute ein hohler Kopf vor der Tür von Downing Street No. 10 steht und gruselig grinst wie ein untoter Partygänger, dann ist es diesmal nur Halloween - und nicht Boris Johnson.

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