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Sahra und die Laubbläser

Pias Potpourri Oktober 2023




Wer diesen Oktober am letzten Tag noch provozieren will, könnte ihn fragen: Alter Herbstler, womit willst Du uns noch schockieren? Aber Vorsicht. Der Monat, der mit Halloween endet, hat vielleicht noch etwas in petto.

Obwohl viele Menschen gar nicht den Eindruck hatten, es wäre noch ein weiterer Krisenherd nötig gewesen, lieferte der Oktober mit Nahost bereits einen ungefragten Nachschlag. Kriege, Katastrophen, Extremisten – das war mental nicht nur ein Doppel-, sondern ein Multiwumms.

Doch es gab nicht nur Saures, sondern auch Süßes. So siegten bei zwei Wahlen endlich mal die Besten! Schließlich wurde die Grasnelke zur Blume des Jahres gewählt. Immerhin ein versteckter, wenngleich der einzige Erfolg für Rot-Grün. Steht Gras doch für ein grünes Kernthema und eine Nelke für die rote Arbeiterbewegung. Vielleicht sollte sich die bei den Landtagswahlen in Hessen und Bayern abgestrafte Ampel-Regierung in „Herbst-Koalition“ umbenennen. Der Begriff ist offen für viele Farben – und berücksichtigt, dass dort so viel Krach gemacht wird wie von einem Laubbläser.

Völlig diskriminierungsfrei wurde zudem der Mücken-Händelwurz zur Orchidee des Jahres gekürt. Das zeigt, dass eine Blume selbst dann Karriere machen kann, wenn sie mit einem Doppelnamen quasi der Müller-Lüdenscheid unter den Orchideen ist. Bisher galt so etwas als Hemmnis für Prominenz. Hätte der Satz „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“ von Gertrude Stein doch niemals gelautet: „Ein Mücken-Händelwurz ist ein Mücken-Händelwurz ist ein Mücken-Händelwurz.“

Heute jedoch sind wir gesellschaftlich weiter, und über Namen zu lachen ist billig. Selbst wenn Johann Wolfgang Goethe von in diesem Monat vielleicht gescherzt hätte: „Wer sich nicht selbst befielt, bleibt immer Wagenknecht.“ Unpassend wäre das gewesen, denn die Politikerin befiehlt hauptsächlich sich selbst, sie ist ja ihr eigener größter Fan.

Völlig zu Recht natürlich. Denn dank ihrer neuen Partei, die vermutlich Kürbisköpfe durch Betonköpfe ersetzt, ist bald jeder Spuk vorbei: Keine unkontrollierte Einwanderung mehr - jedenfalls nicht in die Partei der Linken. Keine Inflation – jedenfalls keine, die so groß ist wie politische Worthülsen. Kein Krieg – jedenfalls nicht zwischen Russland und BSW. Und diese Abkürzung zeigt Wagenknechts ungeheure Weitsicht. Kann sie doch sowohl für „Bündnis Sahra Wagenknecht“ stehen als auch für „Bin schon weg“ oder „Bin schon wahnsinnig“. Dann muss man das, anders als die Uhren, im Zweifelsfall später nicht umstellen.

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