Her mit dem Frühjahrsputsch

Potpourri Mai 2021

Wonne war gestern. Denn in diesem Mai herrschte überall Aufruhr, der Trend zum Frühjahrsputsch hat den Frühjahrsputz abgelöst. So putschten die meteorologischen Tiefs gegen die sonst in diesem Monat vorherrschende Schönwetterfront. Wer dem Trommeln des Regens auf die Scheiben genau zuhört, erkennt rückwärts geklopft bereits das Revolutionslied „Wolken, hört die Signale“. In Mali wurde konventionell geputscht. Aber auch beim Eurovision Song Contest wirkte das italienische Siegerlied so aggressiv, als ob die Band Måneskin jemanden absetzen wollte. Zudem machte der Sänger vorher eine neue Form von Corona-Test mit weißem Pulver. Sicherlich ein Pilotprojekt, da darf man ja alles. Deutschland dagegen schickte eine Tänzerin im Hand-Kostüm neben Sänger Jendrik auf der Bühne. Das sollte vielleicht zeigen: Wir haben doch ein Händchen für den ESC. Eine umwälzende Idee! Wer weiß, ob wir sonst den vorletzten Platz geschafft hätten. Noch revolutionärer wäre, wenn Deutschland auch für andere Länder Beiträge ins Rennen schicken würde – dann fiele der eigene Song gegen die anderen nicht so ab. Denkbar wäre etwa ein Ralph-Siegel-Lied für Nahost, wenn dort die von US-Außenminister Antony Blinken unterstützte Zwei-Staaten-Lösung umgesetzt wird: „Palästina Dreaming“ von der Band „The Hamas and the Papas“. Oder ein Beitrag für China, das sich gegen die Unterstellung eines kleinen Labor-Versehens als Pandemie-Ursprung wehrt: die alte Schiwago-Melodie mit dem neuen Text „Weißt du, Wuhan?“ Schwieriger wird es mit einem Song für Belarus, das beim ESC diesmal nicht antreten durfte. Sicherlich, der Diktator könnte eine Cover-Version von „My Name is Luka“ in die Kalaschnikow rappen. Aber selbst eine vom NDR ausgewählte deutsche Komposition wäre nicht ausreichend als Strafmaßnahme dafür, dass Alexander Lukaschenko ein Flugzeug entführen und den Blogger Roman Protassewitsch verhaften ließ. Vermutlich erkannte er in dessen Namen eine verschlüsselte Botschaft. Wer Protassewitsch heißt, ist ein natürlicher Feind von jemandem, der nicht alle Tassen im Schrank hat. Während dort also der Machtwechsel ausbleibt, geht in Deutschland der Aufstand weiter. Franziska Giffey demonstrierte mit ihrer Doktorarbeit gegen das geistige Eigentum und trat deswegen als Familienministerin zurück. Vielleicht hätte sie in Brüssel eine größere Karriere vor sich – als Mehlwurm-Ministerin. Die tiefrevolutionäre EU putschte nämlich gegen kulinarische Traditionen und hat beschlossen: Würmer sind ein sicheres Lebensmittel für Menschen. Umgekehrt galt das übrigens schon länger.

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