Ein bisschen Rücktritt

Potpourri vom Juli 2022


Drei Schritte vor, zwei zurück – das galt als Motto der Echternacher Springprozession. Doch in Zeiten der Einsparungen hat Europa dieses Gehüpfe jetzt weiter reduziert – zum halben Rücktritt.

So traten der britische Premier Boris Johnson, der italienische Ministerpräsident Mario Draghi und der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann zurück – aber sie sind alle noch im Amt. Denn in der neuen Dialektik werden solche Widersprüche aufgehoben. Und eine Rücktrittserklärung bedeutet nur die vage Ankündigung: „Ich werde nicht immer da sein.“

Die Motive sind natürlich unterschiedlich. Peter Feldmann findet einen Rücktritt offenbar nicht angemessen, so lange er noch auf freiem Fuß ist. Mario Draghi bat zwei Mal um Rücktritt, muss aber noch im Amt bleiben. Boris Johnson möchte noch seine Hochzeit in Amt und Würden feiern . Und seinen Nachfolger zu finden ist schwierig. Denn wer kann so hemmungslos feiern wie Party-Boris? Sicherlich, ein Unterhaus, in dem gegen viele Abgeordnete wegen Belästigung ermittelt wird, gibt sich da offenbar redlich Mühe. Aber das Prozedere, die Partei in Wahlrunden entscheiden zu lassen, wirkt fehl am Platz. Denn ein würdiger Nachfolger von Johnson kann nur korrekt ermittelt werden durch Flaschendrehen oder Strip-Poker.

Doch leider spielen die Abgeordneten auf den zügellosen Partys in Downing Street Nr. 10 nicht „Layla“ – ein schwerer Fehler von Johnson. Denn dieser Hit kann als Aufreger die beliebten Themen Krieg, Pandemie oder Gaskrise sogar in den Schatten stellen, den es bei 40 Grad Hitze kaum noch gibt.

Allerdings war das Lied nicht auf dem Sommerfest der SPD zu hören. Da wurden lediglich K.-o-Tropfen verteilt – was zu Recht Entsetzen auslöst. Denn warum verteilt eine Partei K.o-Tropfen, die sedierende Reden von Olaf Scholz zur unendlichen Verfügung hat?

Eher O.k.-Tropfen braucht die gesamte Bundesregierung für ihre Ringtausch-Versuche – und damit nicht nur die Hochzeit von Christian Lindner gemeint. Dieser erntete nämlich wenig Beifall, als er jenseits der Kirchenzugehörigkeit zum Event-Christentum fand. Nun stieg er jedoch auf und ist als „Heiliger Christian“ bald Schutzpatron von Porsche.

Aber für noch mehr Unmut sorgte, dass Polen beim als „Ringtausch“ verklärten Panzer-Schrottwichteln den Kürzeren zog. Dabei ist dieses Waffenliefern und gleichzeitig davon zurücktreten in Wirklichkeit eine hohe Kunst! Ein verdammt guter Rücktritt – oder wie die Kurzform heißt: Verrückttritt.

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